Von ganz unten an die Spitze Deutschlands
Die Geschichte des VfB Suhl LOTTO Thüringen, von 2020 bis zum historischen Double 2026.
Es ist der 22. April 2026, kurz nach 20:20 Uhr. In der ANTENNE THÜRINGEN Volleyballarena, die alle nur „Wolfsgrube“ nennen, steht für einen Wimpernschlag die Zeit still. Dann fällt der letzte Ball zu Boden. In Suhl brechen alle Dämme.
Was in diesem Moment geschieht, hätte sechs Jahre zuvor niemand zu träumen gewagt: Ein kleiner Verein aus Südthüringen ist Deutscher Meister. Zum ersten Mal in seiner Geschichte. Und weil an diesem Abend zum bereits gewonnenen Pokal auch die Meisterschale hinzukommt, ist es mehr als ein Titel. Es ist das Double. Dies ist die Geschichte eines Weges, der einst im Dunkeln begann.
2020, als es ums Überleben ging
Man muss bis in das Frühjahr 2020 zurückgehen, um zu verstehen, wie groß dieses Wunder wirklich ist. Die Welt steht still, die Hallen sind leer, und für einen Verein wie den VfB Suhl geht es nicht um Titel, sondern schlicht ums Weiterexistieren. Als kleinster Standort der 1. Volleyball-Bundesliga, weit weg von den großen Metropolen, mit einem Etat, der nur einen Bruchteil dessen beträgt, was die Spitzenklubs ausgeben, kämpft der VfB in der Corona-Krise um seine Zukunft.

Gemeinsam mit anderen Thüringer Vereinen sucht man Halt in der Initiative „Teamsport Thüringen“, hofft auf Unterstützung, um über die Runden zu kommen. Es sind Wochen und Monate, in denen die Frage nicht lautet, wie hoch man klettern kann, sondern ob man überhaupt bleiben darf. Für viele Klubs wäre das das Ende einer Geschichte gewesen.
In Suhl war es der Anfang.
Ein neuer Weg
In genau diese unsichere Zeit fällt eine Entscheidung, die alles verändern sollte. 2020 übernimmt László Hollósy die sportliche Verantwortung. Mit ihm hält eine Idee Einzug, die zunächst wenig mit Titeln und viel mit Haltung zu tun hat. Nicht das größte Budget soll den Unterschied machen, sondern Teamgeist, Entwicklung und eine kompromisslose Siegermentalität. Schon damals ist das Ziel klar formuliert: „Wir wollen DER Ausbildungsverein der Liga werden.“

Getragen wird dieser Neustart von einem kleinen Trio, das seither zusammensteht. An der Seite von Cheftrainer László Hollósy bilden Teammanager Jens Haferkorn und Alexander Mantlik die personelle Konstante der sportlichen Leitung. Mantlik ist seit 2020 Gesellschafter, seit Juli 2022 Präsident des VfB 91 Suhl e.V. und seit Mitte der Saison 2023/24 zudem Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH. Über all die bewegten Jahre hinweg ist dieses Trio der Halt, auf dem der geduldige Aufbau ruht.
Der Plan ist so einfach wie schwer umzusetzen: aus jungen, hungrigen Spielerinnen und klugen Verpflichtungen Jahr für Jahr eine bessere Mannschaft formen. Kein Feuerwerk, sondern Handwerk. Kein schneller Ruhm, sondern geduldiger Aufbau. Was in diesen Jahren entsteht, ist mehr als ein Kader. Es ist eine Familie mit einem eigenen Selbstverständnis. Und ein Zuhause, das bald in ganz Deutschland gefürchtet sein wird.
Die Wolfsgrube und das Rudel
Den Namen „Wolfsgrube“ trägt die Halle schon, seit sie gebaut wurde. Seit 2020 heißt die Spielstätte offiziell „Antenne Thüringen Arena in der Wolfsgrube Suhl“. Und aus der Mannschaft wird ein Rudel, die „Wölfinnen“. Was nach Marketing klingt, ist in Wahrheit eine Identität. Wer nach Suhl kommt, betritt kein neutrales Parkett, sondern ein Tollhaus. Abend für Abend verwandeln die Fans die Arena in eine Festung, in der jeder Punkt gefeiert und jeder Gegner zermürbt wird.
Serie um Serie an Heimsiegen wächst, und mit jedem Sieg wächst der Glaube: Hier entsteht etwas Besonderes. Der kleine Verein aus Südthüringen ist längst kein Betriebsunfall der Liga mehr. Er ist ein Statement.
Saison für Saison. Sechs Jahre, die alles veränderten
Ein Titel fällt nicht vom Himmel. Der Weg dorthin führt über sechs Spielzeiten, über Rückschläge, Verletzungen und finanzielle Nöte. Und über Menschen, die trotzdem nie aufgaben. Diese Chronik erzählt ihn Saison für Saison.
Ein Einstieg mitten im Sturm
Am Ende der Saison 2019/20 wagen zwei neue Gesellschafter den Schritt: Alexander Mantlik und Jens Roß steigen beim VfB ein, ausgerechnet in einer Zeit größter Ungewissheit. Nur zehn Tage nach der notariellen Beurkundung legt die Corona-Pandemie den gesamten Sport lahm. Ein Start unter denkbar schwersten Vorzeichen. Dass der VfB diese Monate übersteht, verdankt er auch dem Fundament, auf dem der Verein bis heute ruht: der Partnerschaft mit LOTTO Thüringen. Der Namensgeber hält dem Klub gerade dann die Treue, als es am meisten zählt. Es ist ein Vertrauensbeweis, der weit über den Moment hinausreicht. Aus dieser Verbindung ist längst weit mehr als ein Sponsoring geworden. Am 1. Januar 2027 geht man gemeinsam ins zehnte Jahr. Diesen Namen trägt der VfB mit Stolz.

Die Wölfe formieren sich
Mit László Hollósy kommt der Trainer, der den Weg prägen wird. Um ihn herum entsteht eine völlig neue Mannschaft. Das erklärte Ziel, die Rückkehr in die Playoffs, gilt als Drei-Jahres-Plan. Suhl schafft es im ersten Jahr: die erste Playoff-Qualifikation seit zehn Jahren.

Nebenbei endet eine Ära: Der alte Claim „Fürchte die Wölfe“ wird abgeschafft, auch als Reaktion auf die einzige Derby-Niederlage gegen Erfurt in der gesamten Vereinsgeschichte. Die Erkenntnis mit einem Augenzwinkern: Zu fürchten braucht die Wölfe niemand. Es muss ein neuer Leitspruch her, der bis heute trägt: „VorwärtsMitHerz“. Am Saisonende steht Platz 6, dazu ein Heimsieg gegen Schwerin im ersten Playoff-Viertelfinale und ein Sieg gegen den amtierenden Deutschen Meister Allianz MTV Stuttgart. Das erste große Ausrufezeichen.
Kontinuität als neues Fundament
Zum ersten Mal seit rund zehn Jahren, seit der Ära von Wolfgang Wehner, verlängern gleich sieben Spielerinnen ihre Verträge. Kontinuität, in Suhl lange ein Fremdwort, wird zum Fundament. Der VfB spielt eine starke Saison und qualifiziert sich für den CEV Challenge Cup. Zurück auf der europäischen Bühne.

Durch das Tal
Es folgt die Härteprüfung. Acht Niederlagen in Serie, Zuspielerin Jaksetic schwer verletzt, insgesamt fünf Dauerverletzte, dazu ein Europapokal, der finanziell kaum zu stemmen ist. Und doch bäumt sich diese Mannschaft auf. In einer wahnsinnigen Aufholjagd rettet sie sich noch auf Platz 6 und holt im Europapokal die Bronzemedaille, die erste Medaille seit zehn Jahren.

Im Playoff-Viertelfinale gelingt in Potsdam sogar ein 3:0-Hinspielsieg, ehe man denkbar knapp ausscheidet. Sportlich ein Achtungserfolg, und doch das wohl schwerste Jahr, finanziell an der Belastungsgrenze. Abseits des Feldes stellt sich der Verein neu auf: Im Vorfeld der Saison 2022/23 wählt der VfB 91 Suhl e.V. einen neuen Vorstand. An die Spitze rückt Alexander Mantlik als Präsident. Ihm zur Seite stehen die Vizepräsidenten Ulf Greiser und Tim Berks (ab 2024 Philipp Oehrig), Schatzmeister Jörg Fleischer sowie die Vorstände Frank Dressel (Sponsoring), Torsten Hölzel (Recht) und Tobias Walther-Raßmann (Sport). Ulf Greiser ist zugleich die langjährige Stimme des VfB, als Hallensprecher und als Kommentator im Livestream. Besonderer Dank gebührt Dr. Guido Reinhardt. Bis 2022 langjähriger Präsident, bleibt er dem Vorstand danach als Vizepräsident erhalten und führt den Verein als Geschäftsführer noch bis Dezember 2023, ehe er dieses Amt an Alexander Mantlik übergibt und sich anschließend aus dem Vorstand zurückzieht.
Der Umbruch
Die Nachwehen sind hart. Ein Sechs-Punkte-Abzug infolge der finanziellen Lage belastet die Saison. Die erspielte Qualifikation für den CEV Challenge Cup wird gar nicht erst wahrgenommen, es fehlen schlicht die Mittel. Und trotzdem: Platz 5. Wie schon 2020 gerät der Verein finanziell ins Wanken, und wieder übernimmt einer aus den eigenen Reihen Verantwortung. Im Dezember 2023 tritt Präsident Alexander Mantlik zusätzlich selbst an die Spitze der Geschäftsführung. Es beginnt ein grundlegender Neuaufbau, von Mannschaft und Verein. Nach dem Saisonende verlässt mit Tim Berks der letzte hauptamtliche Mitarbeiter den Club. Über zwölf Jahre lang hatte er dem VfB gedient, nun schließt er sich den Ladies in Black Aachen an. Sein Amt als Vizepräsident im Vereinsvorstand übernimmt fortan Philipp Oehrig. Die Geschäftsführung trifft daraufhin eine mutige Grundsatzentscheidung: Der VfB macht ohne Hauptamt weiter. Was nach Verzicht klingt, wird zur DNA dieses Klubs. Von hier an ruht nahezu alles auf ehrenamtlichen Schultern. Die Aufgaben von Tim Berks übernehmen fortan neue Ehrenamtler, allen voran Marcel Parlesak und Hannes Schmidt, die Tag und Nacht für den Club da sind.

Der Durchbruch
Der radikalste Umbau von allen. Von der alten Mannschaft bleibt nur eine: Roosa Laakkonen. Sie geht den Weg des Vereins mit und wird zur Identifikationsfigur. Der Plan ist klar und mutig. Es ist der konsequente Weg über junge Talente. Vor allem junge deutsche Spielerinnen, denen andernorts kaum jemand eine große Bühne zutraute, viele von ihnen aus der zweiten Liga. In Suhl bekommen sie sie. Mit Lara Nagels kommt der zweite Baustein des Führungsduos.

Abseits des Feldes stabilisiert sich der Verein. Mit Mantos Int. Food GmbH steigt ein neuer Hauptsponsor ein, dessen Firmenlogo eine strahlende Sonne trägt. Ralf Weber übernimmt Verantwortung für den Thüringer Spitzensport. Seither weht frischer Wind in den Segeln, und in Suhl wächst ein Gefühl, das den ganzen Klub trägt: „Wir haben immer die Sonne im Nacken.“ Weber selbst ist dabei der größte Fan seines Klubs. Er steht lieber mittendrin als obenauf. Beim Pokalfinale feuerte er sein Team ab dem vierten Satz aus der ersten Reihe des Fanblocks an, dort, wo das Herz des VfB am lautesten schlägt. Durch konsequente Kostenreduzierung und den neuen Partner kehrt die finanzielle Stabilität zurück. Bei den Gehältern kann Suhl nicht mithalten. Umso mehr zählen ein gutes Auge im Scouting und ein außergewöhnlicher Zusammenhalt.

Denn dann geschieht, was niemand für möglich hielt: Nach sechs Auftaktniederlagen dreht Suhl die Saison komplett und holt am Ende Bronze. Es ist die erste Bundesliga-Medaille seit dem Bronze von 2011, und erstmals seit Einführung der Playoffs steht der VfB im Halbfinale. Dort ist zwar Endstation, doch die Botschaft ist groß. Seit 2011 hatten allein Dresden, Schwerin und Stuttgart Meisterschaft und Pokal unter sich ausgemacht. Nun mischt mit Suhl wieder ein Außenseiter ganz vorn mit. Obendrauf kommt die erstmalige Qualifikation für den CEV-Cup, den nächsthöheren europäischen Wettbewerb.
Der Boden für das Wunder war bereitet. Doch das größte Kapitel sollte erst noch folgen.
Die Saison der Träume
Dann kommt jene Saison, in der aus Hoffnung Gewissheit wird. 2025/26, ausgerechnet im Jubiläumsjahr zum 35-jährigen Bestehen, spielt der VfB Suhl einen Volleyball, der die ganze Liga aufhorchen lässt. Heimspiel um Heimspiel bleibt die Wolfsgrube ungeschlagen, ein Ausrufezeichen nach dem anderen.

Die Mannschaft um Kapitänin Roosa Laakkonen trägt ihre Sache mit einer Reife und Ruhe vor, die man einem vermeintlichen Underdog kaum zugetraut hätte. Auf einmal spricht man in Suhl nicht mehr vom Klassenerhalt, sondern von etwas, das man kaum auszusprechen wagt: von Titeln.
Dabei gelingt der Triumph gegen jede Logik. Nach der starken Bronze-Saison lotsen die großen Klubs Suhls beste Angreiferinnen weg, nach Stuttgart, Schwerin und Dresden. Und doch schlägt der VfB zurück. Im Sturm verstärken sich die Wölfinnen mit Foley, Dotson und Brancuska, erneut kluges Scouting, das mitten ins Schwarze trifft. Was als Aderlass beginnt, wird zum nächsten Beweis: In Suhl ist das Ganze größer als jede Einzelne.
Der erste Coup: Mannheim, 28. Februar 2026
Der erste große Beweis fällt in Mannheim. Im Finale um den DVV-Pokal steht der VfB Suhl dem hohen Favoriten Allianz MTV Stuttgart gegenüber, vor der größten Kulisse, die ein deutsches Volleyball-Pokalfinale je gesehen hat. 12.508 Zuschauer füllen die SAP Arena. Der VfB weigert sich zu verlieren. In einem Krimi über die volle Distanz, in einem fünften Satz, in dem die Nerven blank liegen, behalten die Wölfinnen die Oberhand: 3:2.

Es ist der erste große Titel der Vereinsgeschichte seit vielen Jahren, gewonnen auf der größten Bühne, die der deutsche Volleyball zu bieten hat. Wer an diesem Tag im Suhler Trikot über das Parkett taumelt, ahnt: Dies war erst der Anfang.
Ein Titel wird erst dadurch groß, dass er gegen Große errungen wird.
Ungeschlagen durch die Playoffs
Was folgt, ist ein Rausch. Als Zweiter der Hauptrunde geht der VfB in die Playoffs und marschiert hindurch, ohne zu straucheln. Im Viertelfinale gegen Wiesbaden setzt sich der VfB mit 6:1 Sätzen durch, im Halbfinale gegen Schwerin gelingt sage und schreibe das gleiche Ergebnis: erneut 6:1. Der VfB lässt nichts anbrennen, gewinnt seine Serien souverän und zieht als erste Mannschaft seiner Vereinsgeschichte in das Finale um die Deutsche Meisterschaft ein.

Die Wolfsgrube bebt, die Reise geht weiter. Und vor dem letzten Schritt steht ein Gegner, der für alles steht, was der VfB werden will: der Dresdner SC, sechsfacher Deutscher Meister, über Jahrzehnte das Maß aller Dinge.
22. April 2026: Deutscher Meister
Und dann dieser Abend. In der Finalserie gegen Dresden nimmt der VfB Suhl das Heft in die Hand und dominiert die Serie mit am Ende unglaublichen 9:2 Sätzen. Im entscheidenden Spiel lässt er dem großen Favoriten dann keine Chance: 3:0. Um 20:23 Uhr ist es vollbracht. Die Wölfinnen sinken sich in die Arme, Tränen und Jubel vermischen sich, die Wolfsgrube verwandelt sich in ein einziges Meer aus Blau und Gold.

Der VfB Suhl LOTTO Thüringen ist Deutscher Meister. Mit Pokal und Schale zugleich ist er erst der siebte Verein seit 1991, dem das Double gelingt. Ein Titel, den zuvor stets die Großen unter sich ausgemacht hatten, geht nun nach Südthüringen, in die kleinste Stadt, die je einen deutschen Volleyball-Thron bestieg.
Bei allem Jubel gehört zur Wahrheit dieses Abends auch der Respekt vor den Besiegten. Der Dresdner SC und der Allianz MTV Stuttgart, die großen Namen dieses Sports, machten es dem VfB bis zuletzt schwer und trugen ihren Teil zu Duellen bei, die der deutsche Volleyball so schnell nicht vergessen wird.
Fakten zum Double 2026

- Deutscher Meister 2026: erster Meistertitel der Vereinsgeschichte (3:0 im entscheidenden Finale gegen Dresden)
- DVV-Pokalsieger 2026: 3:2 gegen Stuttgart vor 12.508 Zuschauern in Mannheim
- Das Double: erst der 7. Verein seit 1991, dem Meisterschaft und Pokal in einer Saison gelingen
- Ungeschlagen durch die kompletten Playoffs
- Cheftrainer László Hollósy, seit 2020 an der Seitenlinie
- Kapitänin Roosa Laakkonen
- Bronze 2024/25: erste Bundesliga-Medaille seit dem Bronze von 2011
- Bronze Europapokal 2022/23: erste internationale Medaille seit zehn Jahren
- 35 Jahre VfB: das Jubiläumsjahr wird zum größten der Vereinsgeschichte
Wolfgang Wehner, der Vater des VfB Suhl
Keine Geschichte des VfB Suhl lässt sich erzählen, ohne einen Namen an den Anfang zu stellen: Wolfgang Wehner. Er ist der Vater dieses Vereins. Unter ihm gelang der Aufstieg in die Bundesliga, unter ihm kam der erste große Titel nach Suhl. Was heute Festung und Spitzenteam ist, hat in seiner Ära seine Wurzeln.

Nach seiner Zeit als Präsident hatte sich Wehner lange bewusst zurückgehalten. Doch seit 2021 bringt er sich wieder deutlich aktiver ins Vereinsleben ein. Nicht im Rampenlicht, sondern dort, wo die Weichen gestellt werden. In beratender Rolle im Hintergrund, ein wenig wie Matthias Sammer einst beim BVB, ist er zum wichtigen Ratgeber von Manager Alexander Mantlik geworden, in Transferfragen ebenso wie bei den Sponsorenerlösen.
Sein Auge für Talente ist legendär. Viele der heutigen Leistungsträgerinnen hatte er längst auf dem Zettel, ehe andere auf sie aufmerksam wurden. Dass ein Star wie Laura Berger heute das Suhler Trikot trägt, verdanken sowohl die Spielerin als auch der Verein seinem Gespür. Sie ist nur eine von vielen, die er im Blick hatte. Ohne den Vater des VfB wäre der Weg zum Double ein anderer gewesen. Leise, beharrlich und aus purer Liebe zu seinem Verein hat er viel dazu beigetragen.
Sportmedizin, Physio & Athletik: ohne Spitzenmedizin kein Spitzensport
Kein Spitzensport ohne Spitzenmedizin. Auch das ist eine Wahrheit dieses Weges. Seit 2020 steht dem VfB mit Dr. Gerald Lutz ein Mannschaftsarzt zur Seite, wie ihn sich jeder Klub wünscht. Er richtet Termine in Minutenschnelle ein, findet für nahezu jedes Problem eine Lösung und ist zur Stelle, wenn es darauf ankommt. Für Geschäftsführer Alexander Mantlik ist er zugleich ein langjähriger Vertrauter. Kennengelernt haben sich die beiden schon in ihrer Jugend als U17- und U19-Fußballer beim FC Rot-Weiß Erfurt, ausgerechnet über eine knifflige Rückenverletzung. Aus dieser frühen Begegnung ist ein tiefes, über viele Jahre gewachsenes Vertrauen geworden, das bis heute trägt.

Rund um den Arzt ist ein ganzes Netz aus Fachleuten gewachsen. Mit Alberto Ruiz erhält der VfB in der Saison 2024/25 seinen ersten fest installierten Athletiktrainer. Gemeinsam mit Physiotherapeut Sascha Schrödter hebt er die Belastungssteuerung auf Top-Niveau. Die Folge: Verletzungen werden über eine ganze Saison zur Seltenheit. Wie sehr sich das auszahlt, zeigt eine kleine Geschichte am Rande. In der Meistersaison sorgten Dr. Lutz, Schrödter und Ruiz gemeinsam dafür, dass Kapitänin Roosa Laakkonen durchspielen konnte, Spiel für Spiel, bis zum Titel.
Eine Schlüsselfigur in diesem Gefüge ist Sebastian Lenk. Er vermittelt, hilft und hält die medizinische Betreuung kommunikativ zusammen, gerade in schweren Zeiten ein verlässlicher Rückhalt für den Verein. Und er hat dem VfB seinen Herzschlag mitgegeben. Von ihm stammt der Vorschlag für den Leitspruch, der den Klub bis heute prägt: „VorwärtsMitHerz“.
Und weil beim VfB Suhl vieles anders läuft als bei anderen Vereinen, ist Lenk obendrein die Stimme der Wolfsgrube. Als Hallensprecher heizt er die Festung ein und spielt zugleich eine wichtige Rolle in Vermarktung und Kommunikation. Medizinische Kommunikation, Marketing und dann noch das Mikrofon in der Halle: Genau diese Verzahnung vieler Rollen in wenigen Menschen macht das Verrückte und Schöne dieses Klubs aus. Ob Arzt, Physio, Athletiktrainer oder Kommunikator: Sie alle haben großen Anteil am Erfolg. Denn Spitzensport ist ohne Spitzenmedizin schlicht nicht möglich.
Die alwaySUHLtras: das Herz auf der Tribüne
Wer verstehen will, warum in Suhl möglich wurde, was andernorts undenkbar schien, muss auf die Tribüne schauen. Die „alwaySUHLtras“ sind kein gewöhnlicher Fanclub. Sie sind der siebte Mann des VfB. In wenigen Jahren ist ihre Zahl um das Zehnfache gewachsen, getragen von Menschen wie Thomas Augstein und Steven Böttger, die aus reiner Leidenschaft eine Bewegung geformt haben. Angefangen hat alles ganz klein, mit gerade einmal sechs Mitgliedern.


Was sie auf die Beine stellen, sucht im deutschen Damenvolleyball seinesgleichen: Sie zündeten die erste Choreografie, die dieser Sport bei den Frauen überhaupt gesehen hat. Ihre Unterstützung endet nicht an der Bande. Sie helfen sogar nicht unerheblich bei der Sponsorenakquise. Sie stehen in den dunklen Stunden genauso laut zum Verein wie in den hellen, sie schaffen jenes familiäre Umfeld, das den VfB ausmacht, und sie verzeihen auch Schwächen, weil sie längst wissen: Dieser Klub gehört ihnen allen. Eine Fankultur, die man erlebt haben muss. Schlicht: unglaublich.

Dynamics Suhl: der Verein, den das Ehrenamt trägt
Und dann ist da das vielleicht größte Pfund des VfB Suhl: die Menschen hinter den Kulissen. Vom Aufbau der Halle am Spieltag über Kasse, Ticketing und Livestream bis hinauf in die Geschäftsführung geschieht vieles im Ehrenamt, aus Überzeugung, nicht aus Pflicht. Es ist ein Zusammenhalt, der sich nicht verordnen lässt und am Ende doch alles zusammenhält.

Zwei Dinge machen diesen Klub stark: die Bescheidenheit bei den Kosten und das familiäre Miteinander. Hier erwartet niemand etwas, denn Erwartungen, so die Überzeugung, werden am Ende nur enttäuscht. Hier sieht keiner nur sich selbst. Jeder versteht sich als Teil des Ganzen. Und über allem steht ein Satz, der in Suhl nicht plakatiert, sondern gelebt wird: Keiner ist größer als der Verein. Genau aus dieser Haltung erwächst die Kraft, die am 22. April 2026 alle Dämme brechen ließ.
An der Spitze dieses Ehrenamts stehen Lena und Martin Öltermann, Tochter und Vater, ein eingespieltes Gespann. Sie koordinieren, sie bauen auf, sie sind immer ansprechbar und offen für neue Ideen. Und wenn am Kommentatorenmikrofon des Livestreams einmal Martin Öltermann oder Ulf Greiser verhindert ist, springt auch schon mal Lena ein und begleitet die Partie mit eigenen Worten. Gemeinsam mit vielen helfenden Händen halten sie den Laden zusammen, Tag für Tag, Spiel für Spiel.
Andreas Hacker: zurück an gewohnter Stelle
Manche Rückkehr ist mehr als eine Personalie. Andreas Hacker hat dem VfB Suhl über Jahrzehnte gedient, zuverlässig, uneigennützig, im Hintergrund und doch mittendrin. In der Saison 2024/25 zwang ihn eine schwere Krankheit zur Pause. Umso schöner, dass er 2025/26 wieder da ist, genesen, voller Tatendrang und an vertrautem Platz.
Hacker übernimmt erneut das Ticketing und bringt Struktur in einen Bereich, der für einen Spieltag wichtiger ist, als viele ahnen. Wenn sich die Halle füllt, behält er den Überblick und begrüßt die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer mit Namen. Willkommen zurück, Andreas.

Alex Becker: der Kopf hinter der Übertragung
Wer die Spiele des VfB Suhl von zu Hause verfolgt, sieht ihn nie im Bild und verdankt ihm doch alles, was auf dem Schirm läuft. Alex Becker leitet seit Jahren die komplette Übertragung. Er koordiniert das Team, die Technik und die Kameras, bringt alle Fäden zusammen und sorgt dafür, dass jede Partie zuverlässig ihren Weg zu den Fans findet.
Mit dem YouTube Kanal Wolfsrudel TV gibt er dem Verein zusätzlich eine eigene Bühne für Highlights, Stimmen und Geschichten rund um das Team. Dass Becker bestens vernetzt ist, bewies er schon 2021 auf ganz besondere Weise. Damals bat er seinen Freund Johnny Depp, ja, wirklich Johnny Depp, um ein Autogramm auf einem Suhler Trikot mit der Nummer 63. Das signierte Trikot wurde anschließend über eBay for Charity für den guten Zweck versteigert. Von Hollywood nach Suhl, eine Geschichte, die man zweimal lesen muss, um sie zu glauben.
Becker steht für die Leidenschaft, mit der beim VfB Suhl auch abseits des Feldes gearbeitet wird.
Ein Märchen aus Thüringen
Zwei Tage später, am 24. April, säumen rund tausend Menschen den Weg, als die Mannschaft ihre Titel durch Suhl trägt. Es sind Bilder, die bleiben: Kinder auf den Schultern ihrer Eltern, Fahnen in Blau und Gold, eine ganze Stadt, die ihren Wölfinnen zu Füßen liegt. Sechs Jahre zuvor hatte man hier um das nackte Überleben gebangt. Jetzt steht Suhl an der Spitze Deutschlands.

Der Weg zum Double war kein gerader. Er führte durch dunkle Zeiten, durch die Angst ums nackte Überleben, durch Zweifel, durch Punktabzüge und Verletzungen, durch Abende, an denen von außen niemand mehr an dieses Ende geglaubt hätte. Doch genau hier liegt das Geheimnis dieser Geschichte. Während in den Landeshauptstädten wenige große Sponsoren den Ton angeben, steht der VfB auf einem breit gefächerten Fundament, einer Mischung aus allem, getragen von vielen Partnern, unzähligen Ehrenamtlichen und einer Fanszene, die füreinander einsteht. Menschen, die bis tief in die Nacht anpackten. Fans, die ihre Wölfinnen gerade in den bittersten Stunden lauter trugen als je zuvor. Eine Mannschaft, die füreinander über jeden Ball flog. Gemeinsam stark. Und der Beweis, dass Herz, Leidenschaft und Zusammenhalt am Ende mehr bewegen als das große Geld.
In der Wolfsgrube, so viel ist sicher, wird man diesen 22. April 2026 noch erzählen, wenn die Kinder von heute selbst ihre Kinder mit in die Halle nehmen. Es war der Abend, an dem alle Dämme brachen. Es war der Abend, an dem aus einem Traum Geschichte wurde.
Vielleicht ist das am Ende die schönste Wahrheit dieser Geschichte: In Suhl wuchs der größte Fanclub der Volleyballgeschichte, nicht auf dem Papier, sondern im Herzen. Denn Fans, Sponsoren, Ehrenamtliche, Geschäftsführung, Berater, Spielerinnen, Trainer und Staff waren allesamt zuerst eines: Fans dieses Vereins. Und weil alle für diesen Klub brannten, ging auch jeder an die eigenen Grenzen. Und ein Stück darüber hinaus.
Ein Freund des Vereins



