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Mantlik widerspricht der Krisenstimmung beim VfB Suhl LOTTO Thüringen

„Freier Fall“ oder nur ein holpriger Saisonstart?
Mantlik widerspricht der Krisenstimmung beim VfB Suhl LOTTO Thüringen

Drei Niederlagen gegen Stuttgart, Schwerin und Dresden und plötzlich ist beim amtierenden Double-Sieger vom „freien Fall“ die Rede. Nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte und dem gewonnenen Supercup ist die Fallhöhe beim VfB Suhl LOTTO Thüringen zweifellos groß. Doch ist aus einem schwierigen Saisonstart tatsächlich schon eine Ergebniskrise geworden? Geschäftsführer Alexander Mantlik sieht die Lage deutlich weniger dramatisch als manche Schlagzeile. Er widerspricht der öffentlichen Kritik, ohne die sportlichen Baustellen auszublenden. Seine Botschaft: Wer jetzt schon den großen Alarm ausruft, macht es sich zu einfach.

Im folgenden Interview beantwortet Alexander Mantlik sechs Fragen rund um den VfB Suhl LOTTO Thüringen und die aktuelle Saison.

Nach der historischen Doublesaison und dem Gewinn des Supercups waren die Erwartungen an den VfB Suhl LOTTO Thüringen groß. Jetzt stehen drei Niederlagen gegen Topmannschaften in Folge zu Buche. Die Schlagzeilen reichen von „Doublesieger im freien Fall“ bis zu „Dresdner SC verschärft Ergebniskrise des VfB Suhl LOTTO Thüringen“. Wie sehr beschäftigen solche Schlagzeilen den Verein und wie bewerten Sie diese öffentliche Darstellung?

„Natürlich lesen wir, was geschrieben wird, und ich verstehe auch, dass sich nach einer Saison wie der vergangenen jede Niederlage größer anfühlt. Begriffe wie „freier Fall“ halte ich trotzdem für deutlich überzogen, denn wir haben gegen Stuttgart, Schwerin und Dresden verloren und damit gegen drei Mannschaften aus der absoluten Spitze der Liga. Wer genauer hinschaut, sieht außerdem, dass wir in der vergangenen Saison alle Topspiele auswärts und auch unser erstes Topspiel daheim verloren haben, und daraus wurde am Ende die erfolgreichste Saison unserer Vereinsgeschichte. Wir liegen also im Plan und haben in dieser Saison mit dem Supercup schon einen Titel gewonnen. Deshalb arbeiten wir im Verein ruhig weiter und lassen uns von Schlagzeilen nicht aus der Spur bringen.“

Der VfB Suhl LOTTO Thüringen ist amtierender Deutscher Meister und Pokalsieger. Damit sind natürlich auch die Erwartungen gestiegen. Aber wie realistisch ist es, diesen Erfolg unmittelbar in der darauffolgenden Saison zu bestätigen? Muss ein amtierender Doublesieger inzwischen den Anspruch haben, jedes Spiel gegen ein Topteam zu gewinnen?

„Das Double und der Supercup sind etwas Großartiges, und darauf sind wir alle unglaublich stolz. Ich halte es aber für unrealistisch, dass eine Mannschaft jedes Spiel gegen ein Topteam gewinnt, denn die Liga ist an der Spitze sehr ausgeglichen und jeder Gegner spielt gegen den Meister mit besonderer Motivation. Entscheidend ist nicht, wer im Herbst jedes Spitzenspiel gewinnt, sondern wer im Frühjahr in Bestform ist, und genau so war es auch in der vergangenen Saison. Unser Ziel ist es, in der Meisterschaft und im Pokal jeweils das Halbfinale zu erreichen, und daran richten wir unsere Arbeit aus. Alles, was darüber hinaus gelingt, wollen wir uns gemeinsam erarbeiten.“

Im Vergleich zur vergangenen Saison hat sich die Mannschaft personell deutlich verändert. Neue Spielerinnen müssen integriert werden, während sich gleichzeitig eine neue Mannschaftsidentität entwickeln muss. Wie weit ist dieser Prozess aus Ihrer Sicht fortgeschritten und wie viel Zeit sollte man einer neu zusammengestellten Mannschaft zugestehen?

„Wir haben im Sommer einige Veränderungen im Kader gehabt, und das ist nach einer so erfolgreichen Saison ganz normal. Eine neue Mannschaft braucht Zeit, um Abläufe, Vertrauen und Automatismen zu entwickeln, und diese Zeit hatten wir in den letzten Wochen kaum. Wir haben in vier Wochen sieben Spiele bestritten, davon vier Topspiele einschließlich des Supercups, und drei dieser Topspiele lagen innerhalb von nur sieben Tagen. Das ist eine Herausforderung, die nicht normal ist, und ich habe großen Respekt davor, was die Mannschaft gerade durchmacht und wie sie sich dieser Aufgabe stellt. Dass sie in dieser Phase schon einen Titel gewonnen hat, zeigt mir, wie viel Qualität in ihr steckt.“

Nach den Niederlagen gegen Stuttgart, Schwerin und Dresden: Wie fällt Ihre sportliche Zwischenbilanz aus? Wo sehen Sie aktuell die größten Defizite, aber auch positive Entwicklungen, auf denen die Mannschaft aufbauen kann?

„Ich ziehe eine nüchterne Zwischenbilanz, und die sagt, dass wir im Plan sind. Wir haben den Supercup gewonnen und damit bewiesen, dass diese Mannschaft gegen die besten Teams bestehen kann. Dass nach drei Niederlagen in so kurzer Zeit eine gewisse Verunsicherung da ist, will ich gar nicht verschweigen, und man merkt das in engen Phasen, in denen uns im Moment noch die Konstanz fehlt. Jetzt liegen aber drei ganz normale Wochen vor uns, in denen Mannschaft und Trainer endlich in Ruhe arbeiten können. Diese Zeit werden wir nutzen, bevor am 25. November die Champions League beginnt, auf die wir uns alle sehr freuen.“

In der öffentlichen Diskussion werden inzwischen auch einzelne Personalien, Spielanteile und mögliche strukturelle Veränderungen thematisiert. Wie bewertet die Vereinsführung diese Diskussion? Gibt es aus Ihrer Sicht derzeit Handlungsbedarf?

„Diskussionen über einzelne Spielerinnen oder Spielanteile gehören zum Sport dazu, aber wir führen sie intern und nicht über die Öffentlichkeit. Die Entscheidung, wer auf dem Feld steht, liegt beim Trainerteam, und das hat unser volles Vertrauen. Entgegen dem, was teilweise berichtet wird, weiß ich auch, dass unsere Führungsspielerinnen in dieser Phase das Heft in die Hand nehmen und vorangehen. Ich sehe deshalb keinen Handlungsbedarf und keinen Anlass für strukturelle Veränderungen, denn wir arbeiten nach einem klaren Plan und liegen in diesem Plan. Ich stelle mich ausdrücklich vor die Mannschaft und den Trainer, weil ich jeden Tag sehe, wie hart hier gearbeitet wird.“

Zum Schluss richtet sich der Blick auf die Fans. Was möchten Sie den Fans sagen, die nach den Erfolgen der vergangenen Saison natürlich hohe Erwartungen haben, jetzt aber auch enttäuscht sind? Warum sollten sie weiterhin Vertrauen in diese Mannschaft und in den eingeschlagenen Weg haben?

„Ich kann jede Enttäuschung verstehen, denn wir alle haben uns an die großen Momente der letzten Saison gewöhnt und wollen sie wieder erleben. Ich bitte euch aber, euch daran zu erinnern, dass wir auch in der vergangenen Saison schwierige Wochen hatten und daraus trotzdem die erfolgreichste Saison unserer Vereinsgeschichte geworden ist. Wir wissen, dass diese Mannschaft es kann, denn sie hat es mit dem Supercup in dieser Saison schon bewiesen. Gerade jetzt braucht sie eure Unterstützung in der Halle, weil sie damit die Sicherheit zurückgewinnt, die ihr im Moment noch fehlt. Lasst uns diesen Weg gemeinsam weitergehen, denn der Zusammenhalt hat uns stark gemacht und wird es auch in dieser Saison tun.“

Die Botschaft des Geschäftsführers ist damit klar: Der VfB Suhl LOTTO Thüringen sieht sich trotz der jüngsten Rückschläge auf Kurs. Jetzt sollen die kommenden Wochen genutzt werden, um Sicherheit und Konstanz zurückzugewinnen – mit dem Vertrauen in Mannschaft und Trainerteam und der Unterstützung der Fans im Rücken.

Hannah Fleischmann

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